Die Petrikirche

Die Petrikirche in St. Petersburg Die erste lutherische Kirche in St. Petersburg wurde 1704 auf der Peter-und-Pauls-Festung errichtet. Sie war für die in der Festung dienenden ausländischen Militärs evangelischen Glaubens bestimmt. Gleichzeitig bildete sich eine Gruppe evangelischer Christen am anderen, linken Newa-Ufer im Hause der russischen Flotte. Die hier entstandene Gemeinde war multinational, aber die größte Gruppe bildeten Deutsche lutherischen Bekenntnisses. Diesen schenkte der Vize-Admiral eine Holzkapelle in seinem Hof. Seit dieser Zeit kann man von einer selbstständigen Existenz der Gemeinde, die später den Namen St.Petri-Gemeinde erhielt, sprechen.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war das Gebäude der Petrikirche stark baufällig und für die gewachsene Gemeinde zu klein geworden. Die alte Kirche aus dem 18. Jahrhundert wurde 1833 abgerissen.
Im Mai 1833 wurde auf einer der Sitzungen des Kirchenrates der Entwurf von Alexander Brüllow angenommen, der aus einem öffentlichen ausgeschriebenen Wettbewerb als Sieger hervorgegangen war. Am 21. August 1833 wurde der Grundstein der neuen Petrikirche gelegt. Die Bauarbeiten dauerten 5 Jahre.
Am Reformationstag 1838, dem 31. Oktober, wurde das bis heute am Newskij-Prospekt 22-24 stehende Gebäude eingeweiht. Das Meisterwerk von Alexander Brüllow, das die Formen einer romanischen Basilika mit den Elementen der russischen Klassizismus harmonisch verbindet, war und ist bis heute die größte lutherische Kirche Russlands. Unter vielen Kunstschätzen, die die Perikirche schmückten, waren zwei Altarbilder besonders wertvoll: das Gemälde von Holbein d.J. „Jesus mit dem ungläubigen Thomas und seinen Jüngern“, das der Gemeinde 1707 von dem Hofmaler Joh. Fr. Groth geschenkt wurde, und das große Gemälde “Christus am Kreuze” des berühmten russischen Malers Karl Brüllow.
In den Jahren 1895 bis 1897 wurde der Innenraum der Kirche unter der Leitung des Architekten Maximilian Mesmacher restauriert.

Im 19. Jahrhundert wuchs die Gemeinde nicht mehr. So belief sich die Anzahl der Gemeindemitglieder der Petrigemeinde 1862 auf 17600, und 1912 – auf 15000.
Zu einer tragischen Zäsur im Leben der St.Petrigemeinde wurde die Revolution von 1917.
Sehr viele Gemeindemitglieder verließen Russland. Das Gebäude der Kirche, alle ihre Immobilien wurden verstaatlicht. In den 20-er Jahren wurden noch Gottesdienste abgehalten, aber die Repressionen für die Christen aller Konfessionen nahmen immer mehr zu. Es begannen Verfolgungen und Verhaftungen.
Als am Heiligen Abend 1937 die Gemeindemitglieder zum Gottesdienst kamen, standen sie vor verschlossenen Türen. Die Pastoren der Petrikirche Paul Reichert und sein Sohn Bruno Reichert wurden verhaftet und später, 1938, erschossen. Nachdem die Kirche geschlossen worden war, wurde die sehr wertvolle Innenausstattung der Kirche, prachtvolle Gegenstände der bildenden und angewandten Kunst, beschlagnahmt und gestohlen. Das Altarbild von Holbein d.J. wurde in die Ermitage verbracht, und “Christus am Kreuz” von K.Brüllow - in das Russische Museum. Unbekannt ist das Schicksal der hervorragenden, von der Firma Walcker gebauten Orgel.
In den 40-er und 50-er Jahren waren in der Kirche verschiedene Lager untergebracht. Dann baute man das Gebäude zu einem Schwimmbad um, welches 1962 eröffnet wurde.
Das Gebäude der Petrikirche selbst wurde „der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland und anderen Staaten“ im Juni 1993 zurückgegeben; die Petrikirche ist auch der Bischofsitz dieser Kirche.
Hier trifft sich die Deutsche Evangelisch-Lutherische St. Annen- und St. Petri-Gemeinde und feiert ihre Gottesdienste.